Promotionsvorhaben

'Drückeberger' oder 'Held des Alltags'? Zivildienstleistende in Pflegeheimen in der Bundesrepublik Deutschland 

betreut durch Frau Prof. Dr. Gabriele Lingelbach (Professur für Geschichte der Neuzeit, Historisches Seminar)

Das Dissertationsprojekt untersucht aus sozial- und pflegegeschichtlicher Perspektive, inwiefern Zivildienstleistende den Alltag in Pflegeheimen in der Bundesrepublik beeinflussten. Das Projekt stellt dabei die These auf, dass Zivildienstleistende Katalysatoren waren, die gesamtgesellschaftliche Entwicklungen in die Pflegeheime hineintrugen und somit entscheidend zu den Wandlungsprozessen in den Pflegeheimen seit den 1960er Jahren beitrugen. Da Zivildienstleistende aufgrund ihres Geschlechts, ihres Alters und ihrer oft überdurchschnittlichen Bildung eine spezifische soziale Gruppe innerhalb des Pflegepersonals bildeten, soll nach den sich stetig wandelnden Interdependenzen zwischen Zivildienstleistenden, Stammpersonal und Heimbewohner_innen gefragt und diese Ungleichheitsdimensionen intersektional analysiert werden. Dabei geht es in dem Projekt auch darum, Privilegien zu untersuchen, die sich aus Ungleichheitslagen ergaben, um so das Konzept „Intersektionalität“, mit dem in der Forschung bisher hauptsächlich nach den Ursachen von Diskriminierungen gefragt wurde, zu erweitern. Insgesamt versucht das Projekt mit seinem Blick auf die Konflikte und Aushandlungsprozesse der verschiedenen Akteure in den Pflegeheimen, sozialhistorische Deutungsmuster wie das einer Liberalisierung und eines Wertewandels einer neuakzentuierten Betrachtung zu unterziehen.