Promotionsvorhaben

Jessica Scheller: Intergeschlechtliche Interventionen. Zur Konstituierung vergeschlechtlichter Lebenswelten im „Zwischenraum“1 (Arbeitstitel)

betreut durch Frau Prof. Dr. Silke Göttsch-Elten (Professur für Europäische Ethnologie/Volkskunde)

Die binäre Geschlechterordnung ist ein bestimmendes Strukturierungsprinzip moderner westlicher Gesellschaften. Die vorherrschende Dichotomie von Geschlecht verlangt uns ab, im Alltag klar als ‚Mann‘ oder ‚Frau‘ identifizierbar zu sein und wird dadurch zu einem wesentlichen Teil unserer Identität gemacht. Die Macht der Geschlechternormen führt somit zu Ausschlussmechanismen von Menschen und alternativen Lebensmodellen, die sich außerhalb des binären Ordnungssystems bewegen oder auch bewusst verorten.

Das Dissertationsprojekt möchte Lebenswelten von intergeschlechtlichen Menschen beschreiben und sichtbar machen, die sich auf einer gesellschaftspolitischen und künstlerischen Ebene mit Intergeschlechtlichkeit und dessen sozio-kultureller Rahmung auseinandersetzen. Hierzu fragt es nach interventionistischen Strategien, die angewendet werden, um dem heteronormativen Raum auf Grundlage von Erfahrungen kreativ zu begegnen. Dabei wird die These aufgestellt, dass die Zuordnung in Geschlechtercodes ein Antrieb für kreative Auseinandersetzungen mit bestehenden kulturellen Ordnungen sein kann. Ziel des Promotionsprojektes ist eine kulturanthropologisch-kritische Ethnographie intergeschlechtlicher Lebenswelten, die den alltäglichen Umgang und die Erfahrungen intergeschlechtlicher Menschen mit einer Lebenswelt in den Blick nimmt, die heteronormativ ausgerichtet ist und in der Intergeschlechtlichkeit demnach tabuisiert wird.

1Da es Ziel der Forschungsarbeit ist, sich während des Forschungsprozesses ein Vokabular anzueignen, das sich an Begrifflichkeiten orientiert, die von intergeschlechtlichen Menschen selbst bevorzugt werden, soll hier zunächst vor allem mit der Bezeichnung "Intergeschlechtlichkeit" gearbeitet werden. Der Begriff „Intergeschlechtlichkeit“ ist die deutsche Übersetzung des englischen Begriffes Intersex. Er ist aus der Menschenrechtsbewegung entstanden und „bezeichnet das angeborene Vorhandensein genetischer und/oder anatomischer und/oder hormoneller Geschlechtsmerkmale, die nicht den Geschlechternormen von Mann und Frau entsprechen“. (Das TransInterQueer-Projekt "Antidiskriminierungsarbeit & Empowerment für Inter*" (Hg._in) (2015): Inter & Sprache - Von „Angeboren“ bis „Zwitter“, Berlin, S. 15.)