Promotionsvorhaben

Exercises in Manliness – Travel Writing, Gender, and Western Encounters with Indigenous People(s) in the Canadian North (1890-1945) (Arbeitstitel)

betreut durch Frau Prof. Dr. Jutta Zimmermann (Professorin für Literatur- und Kulturwissenschaft mit dem Fachbereich Nordamerikastudien, Englisches Seminar)

Das Dissertationsprojekt untersucht diskurs- und textanalytisch westlich normierte Identität und ihren inhärenten Vergleichsmaßstab Alterität anhand kategorialer Zuschreibungen (Rasse/Ethnizität, Geschlecht, Klasse, Religion, geografische Lokalität) in Reiseberichten über Kanadas Norden (Subarktis/Arktis) um die Jahrhundertwende. Für eine solche raum- und bevölkerungsadäquate Untersuchung müssen historisch relevante koloniale Vorstellungen, sozialdarwinistisch-biologistisch geprägte Rassenhierarchien und spezifisch nordamerikanische Kolonisierungsrelationen betrachtet werden.

Neben seiner multidisziplinären Ausrichtung und der methodologischen Verortung in den postkolonialen Studien fokussiert sich das Projekt auf die Forschungsschwerpunkte Raum, den Reisebericht als literarische Gattung und auf normierte Männlichkeit als Analyseobjekte. Dabei soll der Schwerpunkt der Arbeit auf der Untersuchung narrativ und rhetorisch kreierter (geschlechtlicher) Gegenentwürfe eines indigenen Anderen und der Fetischisierung und Institutionalisierung der essentialisierten Konstrukte „Indianer“ und „Eskimo“, sowie der kulturellen Vereinnahmung des Anderen liegen. In Bezug auf den letzten Punkt sind literatur- und kulturwissenschaftliche Debatten um das „Indianerspielen“ (P. Deloria), beziehungsweise „Eskimospielen“ (S. Huhndorf), sowie grundsätzlich die Diskussion um den imaginierten „Indianer“ (R. Berkhofer, D. Francis) als identitätsstiftendes Modell nordamerikanischer Selbstdefinitionen unerlässlich. 

Ferner sind zeitgenössische kulturelle (und oft körperbasierte) Idealentwürfe von Männlichkeiten (beispielsweise in Verbindung mit Outdoor-Bewegungen) sowie naturalisierte Wildnisdiskurse und spezifische Reisemotivationen wichtige Bestandteile für den Erkenntnisprozess der Untersuchung. 

Als Teil der diskursanalytischen Untersuchung soll der Intersektionalitätsansatz nutzbar gemacht werden, um narratologisch und rhetorisch entworfene und kulturell genormte Wechselwirkungen von Ungleichheit (Diskriminierung und Privilegierung) kulturtheoretisch und gattungsspezifisch zu dekonstruieren. Sonderfälle der Untersuchung sind die Herausforderungen der normativen Männlichkeit durch die Berichte weiblicher Reisender sowie durch ethnische Hybridität, welche dem reisenden Subjekt unter anderem die Möglichkeit bot, das Andere je nach Argumentationsnutzen rassisch affirmativ oder abwertend, aber auch subversiv-kritisch kulturell einzuordnen.