Pressebericht

Am 25. November 2014 fand im Audimax der 4. Forschungstag der Philosophischen Fakultät der CAU statt. Diesjährige Thematik war „Populär? Populär! Geisteswissenschaften verstehen“. Das Populäre stand hierbei für Populärkultur als Gegenstand geisteswissenschaftlicher Forschung genauso wie für das Phänomen der Popularisierung der Geisteswissenschaften. Im fast vollständig gefüllten Hörsaal H des Audimax erkundeten zu Beginn drei Vorträge aus dem Kreis der Forschenden das Populäre als Pop (Prof. Dr. Albert Meier, Neuere Deutsche Literatur und Medien), als Alltagskultur (Prof. Dr. Götsch-Elten, Europäische Ethnologie/Volkskunde) sowie als Alltagswissen (Prof. Dr. Markus Hundt, Germanistik).

Zu dieser Begriffs-Trias gesellte sich am Abend noch das Konzept der Popularisierung der Geisteswissenschaften, welche als Streitthema einer ebenfalls sehr gut besuchten Podiumsdiskussion ausführliche und vielschichtige Erörterung fand. Im Rahmen dieser Veranstaltung diskutierten Prof. Dr. Brigitte Brouër (Pädagogik/Empirische Bildungsforschung), Dr. Ole Petras (Neuere Deutsche Literatur und Medien) und Prof. Dr. Dirk Westerkamp (Philosophisches Seminar) sowie als Gast die weit über die Fachgrenzen hinaus bekannte Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. Aleida Assmann (Uni Konstanz) unter Moderation von Prof. Dr. Gabriele Lingelbach (Historisches Seminar der CAU) über ihre Auffassung, Bewertung und eigene Praxis geisteswissenschaftlicher Popularisierung. Ein übergreifender Konsens stellte sich in diesem geistreichen, anregenden und witzigen Streitgespräch, an dem sich auch das Publikum rege beteiligte, nicht her. Allerdings waren sich alle Beteiligten einig, dass verständlich geschriebene Publikationen eine Brücke zur interessierten Öffentlichkeit und nicht zuletzt zu den Studierenden sind. Popularisierung ihres Faches sollte für Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler kein Imperativ, sondern eine Möglichkeit sein – sowohl als Perspektive auf ihr eigenes Tun als auch als Forschungs- oder Lehrinhalt.

Am Nachmittag hatten zwei weitere Formate dieses Potential bereits erkundet und genutzt: Gerrit Lembke, ein erfahrener Vermittler von kulturwissenschaftlichen Inhalten in populären Vorlesungsreihen, erarbeite mit interessierten Studierenden und NachwuchswissenschaftlerInnen Zugänge zu den Liedern Rainald Grebes, eines Comedian, der sich selbst als populärer Vermittler der deutschen Geschichte sieht. In einem Science Slam popularisierten vier Doktorandinnen und Doktoranden zeitgleich ihre Forschungsthemen vor einer begeisterten Zuhörerschaft – manch Pointe freilich nutzte gerade die Reibung zwischen spezialisiertem Forschungsgegenstand und den angenommenen Alltagsinteressen der vielen anwesenden jungen Leute. Insgesamt zeigte sich, dass die Popularisierung von Wissenschaft im Format des Science Slam oftmals ironisch ist, wenn Legosteine, kitschige Fotos von China-Restaurants oder Äpfel mit Gesichtern die Annäherung ans Publikum bewusst übertreiben und gerade daraus ihren Witz (oder ‚Pop‘?) beziehen.

Im Verhältnis dazu war die abschließende Comic-Lesung mit Jens Natter und Andreas Kampschulte im Foyer des Audimax eine ernstere Veranstaltung: Ihr ging es eher darum, Parallelen zwischen norddeutscher Höhenkammliteratur (Storms Schimmelreiter), Comic und Gitarrenrock aufzuzeigen und damit die Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur einzureißen, genauso wie es Leslie Fiedler in Albert Meiers Eröffnungsvortrag sechs Stunden zuvor gefordert hatte. Dass eine comic- und musikinteressierte Zuschauerschaft Bilder und Klänge konzentriert verfolgte, dafür sorgten nicht zuletzt die Nachwuchsforscherinnen und -forscher der Kieler Comic- und Pop-Forschung, die den gesamten Tag das Foyer mit ihrem hochinteressanten Info-Stand bereichert und damit das entsprechende Fachpublikum angezogen hatten.

 

Insgesamt war dies eine gewinnbringende und gut besuchte Veranstaltung, die zeigte, dass die Kieler Geisteswissenschaften gerade im Zeichen des Populären interessant forschen, konstruktiv diskutieren und nicht zuletzt auch ihre Studierenden selbst als Forschende und Diskutierende einbinden können.

Kai Merten