Prototheoretische Aspekte der Erziehungswissenschaft

Wozu soll man sich mit Proto-Wissenschaft beschäftigen? Wissenschaft beschreibt das Gesamt von Handlungen, die für sich in Anspruch nehmen, gegenüber sachkundigen Gesprächspartnern begründungs- bzw. rechtfertigungsfähig zu sein. Begründungen bzw. Rechtfertigungen sind Sprachhandlungen, die das Ziel haben, einen Gesprächspartner von der Wahrheit bzw. Legitimität durch einen Satz (im Sinne von Proposition) zu überzeugen. Dies geschieht nach vorher vereinbarten Regeln. Diese Regeln bestehen aus formalen Regeln (z.B. Logik), aus materialen Regeln (z.B. bereits geeinte Wissensbestände), aus bereits geeinten Diskursverfahrensregeln (z.B. Verbot der Retorsivität, Angriffs- und Verteidigungsregeln im Diskurs). Die Klärung dieser Regeln, der Diskurs über ihre Funktionalität u.a. sind Aufgaben der Wissenschaftstheorie als Meta-Wissenschaft. Auch bei strikter Einhaltung der Diskursregeln führen intensiv geführte Begründungsversuche in eine Situation, die als das Fries‘sche oder Münchhausentrilemma bekannt ist. Das Fries‘sche Trilemma bezeichnet die Problematik, dass Begründungsversuche entweder in einem Begründungszirkel münden, endlos fortgeführt werden können oder aber mit Verweis auf ein nicht anerkanntes Argument beendet werden müssen. Alle drei Versuche: der Zirkel, der unendliche Regress, die dogmatische Setzung, sind gleichermaßen unbefriedigend und widersprechen den Vereinbarungen der Diskursgemeinschaft. Die methodisch-konstruktive Idee der Protowissenschaft soll hier einen Ausweg zeigen. Es ist geplant, die Arbeiten an der Entwicklung prototheoretischer Aspekte der Erziehungswissenschaft im Jahr 2020 abzuschließen.

 

Projektleitung und Ansprechpartner:

Peter Krope (Prof. Dr.)

E-Mail: krope@paedagogik.uni-kiel.de